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Gaumenfreuden für Leser
Genießen liegt im Trend. Darauf reagierten auch die Gourmet- und Kulinarik-Verlage, die heuer bei der Frankfurter Buchmesse vom 14. bis 18. Oktober erstmals eine eigene Plattform bekamen.
Kochshows im Fernsehen gehören wohl zu den beliebtesten Sendungen des TV-Publikums. Fast könnte man sagen, es herrscht Inflation. Kaum ein TV-Sender kommt ohne prominenten „Häferlgucker“ aus, der Leckeres aus Töpfen zaubert. Die Schlagworte heißen Cocooning, Cooking oder Conaisseurship. Bei so viel Genuss in unterschiedlichsten Varianten können die Food & Wine-Verlage nicht hinten anstehen. Essen und Trinken in Buchform hat bei den Ratgebern bereits einen Marktanteil von 21 Prozent. Mehr als 8.000 Titel zu Genussthemen sind in Deutschland lieferbar. Noch krasser bewegt sich dieser Markt in England: Laut Branchenmagazin The Bookseller verkauften die britischen Buchverlage im Segment Food & Drink Titel im Wert von rund 78 Millionen Pfund. Immer mehr Buchhändler setzen nicht nur auf gedruckte Ausgaben, sondern auch auf ein anderes Sortiment im Laden: Edelschokolade, Tee- und Kaffeespezialitäten oder erlesene Weine.
Gourmet Gallery als Novum
Um den kulinarischen Anbietern den Markt zu den Verlagen und Buchhändlern zu öffnen, wurde heuer auf der Frankfurter Buchmesse erstmals die Gourmet Gallery eingerichtet. Eine Plattform mit dem Ziel, aktuelle, kulinarische Trends aufzuzeigen sowie ein Forum für Kooperationen zwischen Anbietern und Buchhandel zu schaffen, wie Jürgen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, erklärt. Die Kochbuchverlage, aber auch Weinbauregionen und Institutionen aus dem Gastronomie-Bereich zeigten sich heuer auf einer Fläche von 400 Quadratmetern. Da auch hier der Eventcharakter nicht fehlen darf, wurden Starköche zur Show gebeten und Winzer zu Wein-verkostungen geladen.
Was leisten Buchmessen?
Buchmessen in Deutschland existieren bereits seit 1480, damals wurde in Frankfurt die Buchmesse von der Warenmesse losgelöst. Zur Zeit der Aufklärung übernahm Leipzig das Ruder von Frankfurt und hielt diesen Kurs bis 1945 aufrecht. Damals galt dasselbe wie heute: den Autoren größtmögliche Publizität zu verschaffen. Goethes Faust-Erster Teil erschien zu Ostern 1808 gerade rechtzeitig vor der Leipziger Frühjahrsmesse. Natürlich vom Verleger Cotta so geplant. Seit 1949 wird in Frankfurt die Buchmesse im Herbst abgehalten und hat sich in dieser Zeit zur weltweit wichtigsten Veranstaltung dieser Art gemausert. Schwerpunktland heuer ist China.
Einige Zahlen gefällig? In den vergangenen Jahren kamen jeweils über 280.000 Besucher in die Hessenmetropole, um sich fast 100.000 Neuerscheinungen von etwa 7.000 Ausstellern aus über 100 Ländern zu Gemüte zu führen. Zumindest einen kleinen Teil davon. Rund 10.000 Journalisten aus 50 Ländern waren akkreditiert. In die Frankfurter Buchmesse fällt zeitlich meist auch die Vergabe des Nobelpreises für Literatur. Beim Verleger des Gewinners ist dann die Hölle los, die anderen Buchstände nahezu verwaist. Ein immer wichtiger werdender Aspekt bei den Buchmessen ist der Bereich Rechteverwertung und Lizenzen. Rund 70 Prozent des internationalen Geschäfts werden hier abgewickelt.
Derzeitige Trends
Die Frankfurter Buchmesse hat schon vor einiger Zeit erkannt, dass man sein Organisations- Knowhow auch gut weltweit anbieten kann und installierte diverse „German Book Offices“, etwa in New York, Peking, New Delhi, Moskau und Budapest. Weiters besteht eine enge Kooperation mit der südafrikanischen „Cape Town Book Fair“.